Teekampagne: Kopf schlägt Kapital. Die andere Art, ein Unternehmen zu gründen.

Datum: 26.3.2009 / 19:30 - 21:00 Uhr
Referent:
Moderation:
Teilnehmer: Mitglieder
Ort / Anfahrt: Schweisfurth Stiftung, Südliches Schloßrondell 1, 80638 München

Die „Teekampagne“, heute größter Importeur der Welt mit Darjeeling Tee, wurde von einer Hochschule entwickelt. Das ist eine Marketinginnovation! Prof. Dr. Günter Faltin schilderte eindrucksvoll und spannend, wie alles begann, welche Schwierigkeiten zu überwinden waren, um den erfolgreichen Weg zu gehen.

Dabei waren die schwierigsten Hindernisse nicht allein im Markt zu suchen, sondern im Bereich der Hochschule. Denn stets galt das Motto, dass die Hochschule „nur“ die Theorie vertritt, aber niemals in der Praxis zeigt / beweist, dass diese Theorien auch Erfolg haben können. Prof. Faltin war damals, in 1985, schon anderer Meinung. Er wollte beweisen, dass seine ausgearbeiteten Ideen für konzept-kreative Gründungen wichtiger sind als Kapital und, dass man Unternehmen auch ganz anders gründen kann. Wesentlich ist bei der erfolgreichen Unternehmensgründung das funktionale, systematische Denken, nicht die Konvention. Bei der konventionellen Unternehmensgründung „sterben“ nach kurzer Zeit 80% aller Gründungen. Das ist ein höherer Faktor als beim Russisch Roulett (nicht mal 20%). Deshalb ist Prof. Faltin immer noch erstaunt, mit welch naiven Voraussetzungen heute noch viele Unternehmen gegründet werden. Dieses systematische Denken brachte den Gründer der „Teekampagne“ darauf, alle Zwischenhändler auszuschalten, preiswert ein- und verkaufen, nur eine einzige Sorte Tee (den besten Tee „Darjeeling“) unkonventionell in Großpackungen zu je 1 kg anzubieten. Jeder professionelle Teehändler und auch die Kollegen an der Hochschule haben ihn für verrückt erklärt. Heute hat die „Teekampagne“ weltweit einen Marktanteil am Darjeeling Tee von über 50%. Der Erfolg gab ihm recht, dass das Gründen von Unternehmen mit ausgereiften Konzepten und nicht mit Anfangsideen und viel Kapital der bessere Start ist. Also Entepreneurship kontra Business Administration („Kopf schlägt Kapital!“). Was muss also ein gutes Entepreneurial Design leisten, um von der Idee zum innovativen business model zu kommen? Wichtig ist, wie bereits erwähnt, Funktion statt Konvention, dann klare Marktvorteile herausarbeiten, einen Vorsprung vor Imitatoren sichern, vor technischer und wirtschaftlicher Obsoleszenz schützen und den Finazierungsaufwand minimieren. Wenn Sie dann Marketing zum integralen Bestandteil machen, dann können Sie Erfolge realisieren, wie Teekampagne, ebuero, RatioDrink, Xing, Svenload, myphotobook u.s.w. All die hier genannten, erfolgreichen Unternehmen sind aus der Hochschule von Prof. Dr. Günter Faltin, meist von seinen Studenten, entstanden. Zu den Konzept-kreativen Unternehmen, die ähnlich im unkonventionellen Stil gegründet wurden zählen auch Firmen, wie ALDI, IKEA und MIGROS. Alle beruhen auf dem selben Prinzip von Einfachheit, Skalierbarkeit und Minimierung von Risiken. Die neuen Champions sind die Ideengeber ohne Kapital. Die Verlierer werden die Kapitalisten ohne Ideen sein. Prof. Dr. Günter Faltin sagt, wir stehen in einer Situation, die einmalig ist. Eigenes unternehmerisches Handeln wird zur Perspektive für eine ganze Generation werden. Deshalb empfiehlt er, nicht nur ein einziges Unternehmen zu führen, sondern mehrere. Einer seiner Studenten führt bereits neunzehn Firmen, erfolgreich. „Es ist eine Lust“, sagt Faltin, „ein Entrepreneur zu sein“. Den Teilnehmern der Veranstaltung, gab er den Rat: „Pflegen Sie Ihre Träume, Ihre Pläne, die zu Ihren wunderbarsten Erfolgen führen. Versuchen Sie, ein business model zu erarbeiten, das mit so wenig wie möglich Finanzbedarf auskommt.“ – Diese Ratschläge wurden mit Begeisterung aufgenommen. Schnell waren die bereitgestellten Bücher, handsigniert von Prof. Faltin, mit den Titel: „Kopf schlägt Kapital“ vergriffen / ausverkauft. Einstimmige Begeisterung des Publikums zu dem Vortrag. Der Kommentar vom Moderator, Prof. Dr. Erwin Seitz: „So müssen Veranstaltungen des MCM sein!“

Text: Hans Kaiser

Fotos: Klaus Becker

Interview: Norbert Gierlich


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