Sind Frauen die besseren Führungskräfte? – Darum brauchen wir in Deutschland die Frauenquote!

Datum: 19.10.2011 / 19:30 - 21:00 Uhr
Referent: 5 Top-Managerinnen
Moderation: Norbert Gierlich
Teilnehmer: Mitglieder
Ort / Anfahrt: FTI Touristik GmbH, Landsberger Str. 88, 80339 München

Am 19. Oktober fanden sich knapp 75 gespannte Mitglieder des MC München am Hauptsitz von FTI in München ein, um mit Top Managerinnen aus Wirtschaft und Wissenschaft über die Frauenquote zu diskutieren.

Besonders erstaunlich war, dass lediglich 10% der Teilnehmer Männer waren, was angesichts der aktuellen Debatte durchaus die Einstellung der meisten männlichen Manager in Deutschland widerspiegeln könnte. Die Podiumsgäste gewährten uns Einblick in ihren Werdegang und sprachen erfrischend ehrlich und sehr persönlich über ihren Alltag und die Herausforderungen als weibliche Führungskraft.

Anne Gfrerer, Head of Identity & Communication HypoVereinsbank / UniCredit Bank AG, schilderte dass der Frauenbeirat in ihrem Haus regelmäßig und aktiv beratende Funktionen gegenüber dem Vorstand ein nimmt. Sie betonte, dass Männer auf ihrem gesamten Karriereweg immer unterstützend waren. „Die Debatte um die Frauenquote ist in unserem Haus längst in Gang und wird sehr konstruktiv diskutiert.“, sagte sie.

Regina Mehler, Director Marketing Central Europe, Adobe Systems GmbH betonte, dass „ein Bier mit den männlichen Kollegen“ extrem wichtig ist. Weibliche Führungskräfte mit Kindern organisieren aus ihrer Erfahrung den Arbeitstag exakt und sehr vorausschauend. Zwar müssen sie oft 150% leisten, tun dies aber gern und mit höchster Motivation, wenn sie die Chance erhalten echte Führungsaufgaben mit der Familie kombinieren zu können.

Prof. Dr. rer. nat. Martina Schraudner machte darauf aufmerksam, wie wichtig der richtige Doktorvater auf dem wissenschaftlichen Karriereweg einer Frau ist. Darüber hinaus betonte sie, dass die Anzahl weiblicher Professoren an deutschen Universitäten alarmierend niedrig ist. Sie wies auch darauf hin, dass der Versorgungsanspruch verheirateter Frauen, die ihren Beruf zugunsten der Kinderbetreuung ganz aufgeben, 2008 gesetzlich geändert wurde. Das Ergebnis: Wenn Ehepartner sich trennen, ist die Versorgung vieler Frauen im Alter nicht mehr gesichert. „Es ist daher von immenser Bedeutung selbst für sein Alter vorzusorgen und im Job zu bleiben“ sagte sie.

Prof. Romy Fröhlich warnte davor das Thema „Genderbedingter Mangel an Top Managern in der nahen Zukunft“ über Zuwanderung zu regeln und machte deutlich, dass der Anteil hoch qualifizierter Frauen, die nach der Elternzeit nicht mehr in Top-Positionen einsteigen können, immer größer wird. Die Zahl der weiblichen Absolventinnen bei Abitur und Studium ist deutlich höher, als die der männlichen Absolventen. Jedoch werden die Weichen für Karrieren in Deutschland zwischen 30 und 40 Jahren gestellt, wodurch Frauen, die in diesen Jahren das erste Kind bekommen, den Karrierepfad oft verlassen müssen.

Waltraut von Mengden, Geschäftsführerin MVG Medien Verlagsgesellschaft wies darauf hin, dass in ihrem Verlag viele junge Frauen durch verschiedene Programme fortgebildet werden, dann jedoch schwanger werden und in vielen Fällen zunächst nicht ins Berufsleben zurück kehren wollen. Aus ihrer Sicht ist es zwingend erforderlich, nach dem ersten Kind möglichst bald wieder in den Job zurück zu kehren und an seiner Karriere zu arbeiten, da es mit jedem Jahr Auszeit schwieriger wird. Insbesondere in der Verlagsbranche müssen Manager/innen dran bleiben und ständig auf den Wandel der Branche reagieren.

Text: Norbert Gierlich
Fotos: Judith Häusler


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