St. Pauli – 100 Jahre Markenliebe: The World’s tollster Football Club.

Datum: 19.4.2011 / 19:30 - 21:00 Uhr
Referent: Michael Meeske, Geschäftsführer FC St. Pauli
Moderation: Norbert Gierlich
Teilnehmer: Mitglieder
Ort / Anfahrt: Oberangertheather, Oberanger 38, 80331 München

Am 19. April 2011 entführte uns Michael Meeske, GF Markteting des FC St. Pauli in die Welt des Profifußballs. In einer knapp 90 minütigen Präsentation erläuterte er, warum der FC St. Pauli ein Unikat in der ersten Liga des DFB ist. Non-established since 1910. Der Claim des FC St. Pauli sagt eigentlich schon alles, denn es ging Fans und Akteuren schon immer darum ein unkonventionelles Lebensgefühl mit authentischem Fußball zu verbinden. Das ist ohne Zweifel gelungen, ist der Verein doch in allen repräsentativen Umfragen auf Platz 2 in punkto Beliebtheit/Sympathie. Der Blick in die Zukunft macht deutlich, dass sich ein Erstlegist in einem turbokapitalistischem Wettbewerbsumfeld befindet und heterogene Zielgruppen integrieren muss. Gleichzeitig müssen spezifische Infrastrukturmaßnahmen umgesetzt werden, um bsp. Sponsoren und Geschäftsleute in das Stadion zu „locken“. Businesslogen, Catering und professionelle Services sind dabei unerlässlich. Sämtliche Marketingentscheidungen bzw. Konzepte müssen sich folgenden fünf Maximen unterordnen.

1) „Sei unkonventionell“
wird für jeden in besonderer Deutlichkeit sichtbar, der einen Blick in die Business-Logen, die beim FC St. Pauli Séparées heissen, wirft. Dort erwarten ihn Beichtstühle in Kapellen-Ambiente, Brauerei-Tresen oder „Night-Club“ Lounges. Auch das neue Stadion am Millerntor folgt der Maxime und erinnert in seinem Klinkerbaustil an die britischen Vorbilder der „Football’s coming home“ Ära.

2) „Sei kreativ“
lautet die zweite Maxime und wurde entsprechend umgesetzt. Eine Vielzahl regionaler Fußballclubs durften sich per Video oder Foto bewerben, um zu beweisen, dass sie die ekligste Umkleidekabine Deutschlands nutzen müssen. Der Sieger durfte sich über den Besuch dreier FC St. Pauli Spieler freuen, die sich um die komplette Renovierung der Umkleide kümmerten.

3) „Sei vielfältig“
Zum 100sten Geburtstag wurde ein gigantisches Livekonzert für die Fans realisiert. Um auf die Bühne zu kommen, musste jede Band/jeder Künstler Mitglied im Verein sein. Es geht auch intelektuell: Günter Grass wurde für eine Lesung im Stadion verpflichtet. Sogar im Bereich CSR ist der Verein aktiv. Mit „Viva con Agua Sankt Pauli“ wurde ein Projekt gelauncht, das sich in wasserarmen Regionen dem Brunnenbau und der Wasserversorgung der Bevölkerung annimmt.

4) „Sei selbstironisch“
Klingt einfach, wird vom FC St. Pauli jedoch in Perfektion umgesetzt. „Endlich wieder zweitklassig“ lautete etwa der Aufdruck auf den T-Shirts zum Aufstieg in die zweite Liga. Mit dem Claim „Viva St. Pauli“ wurde eine Kampagne im Che Guevara Stil begleitet, die ein Trainingslager in Cuba bewarb und für sehr hohe Bruttoreichweiten sorgte.

5) „Sei integrativ“
Integrierte Kommunikation ist beim FC St. Pauli eben so andersartig, wie das gesamte Marketing. In der Praxis bedeutet das, dass zwei alte Baucontainer in eine einzigartige Loge verwandelt werden. Wände, Boden und Decke werden von Zeitungsartikeln über den Verein geziert. Die Bratwurst bringt eine Modelleisenbahn, unter dem Sitzplatz ist ein Bierfass verbaut, von dem jeder Gast selbst sein Bier zapfen kann und Handhelds in der Rücklehne jedes Sitzes, ermöglichen es die Konferenzschaltung auf LigaTotal zu verfolgen, um nichts zu verpassen. Sponsoren, wie z.b. die Brauerei ASTRA, integrieren den Verein und sein Logo permanent in ihre Kommunikationsmaßnahmen. So ensteht echtes Engagement – Bei Fans und Sponsoren.

Michael Meeske beantwortete nach seinem Vortrag noch !45 Minuten! die Fragen aus dem Auditorium und stand uns sogar noch für ein Interview zur Verfügung, das in unserem ClubTV abgerufen werden kann. Ein besonderer Abend mit einem herausragenden Speaker. Vielen Dank an dieser Stelle noch einmal an ihn und an Sie, unsere Mitglieder, für die vielen, kompetenten Fragen.

Text: Norbert Gierlich
Fotos/Interview: Norbert Gierlich
Videotechnologie: TV1.EU

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